Grossartiger zweiter Preis für Comic

Der Fumetto-Wettbewerb ist heute der grösste und wichtigste Comic-Wettstreit in Europa. Die Teilnehmer in diesem Jahr kamen aus 24 Ländern und haben ganze 131 Arbeiten eingereicht – ein Rekord.Aufgeteilt ist der Wettbewerb in drei Alterskategorien. Die fünfköpfige, internationale Jury hat alle Arbeiten gemeinsam durchgeschaut und beurteilt.Zu unserer grossen Freude wurde der K&S Schüler Gil Menziger toller Zweiter in der Kategorie 13 bis 17 Jahre.Herzlichen Glückwunsch. Jurymitglied Christophe Badoux erklärt: «Wir haben uns zu fünft zusammengesetzt und alle anonymisierten Arbeiten durchgesehen.» Mit Post-its haben die Juroren die Arbeiten markiert, an welchen sie hängenblieben. Diese Comics, «in welche wir uns verhakt haben», seien anschliessend besprochen und daraus die Gewinner ausgewählt worden. «So wurde man allen gerecht und auch auf Arbeiten aufmerksam, die man selbst im ersten Moment vielleicht weniger wahrgenommen hätte», so Badoux.«Ich wurde schon vorgewarnt, dass es in allen drei Altersgruppen eine große Auswahl geben würde, was ich bei der Jury zu Gesicht bekam, hat mich dann doch noch überrascht: So viele tolle Geschichten», sagt der Berliner Comic-Journalist Christian Maiwald. Das Fumetto könne sich glücklich schätzen, über einen so guten Ruf zu verfügen. Und damit regional, national und international Talente ansprechen zu können. «Das hat die Juryarbeit nicht gerade leichter gemacht, aber auf die bestmögliche Art», sagt Maiwald.Auch Christophe Badoux, Comic-Künstler aus Zürich, war von der Qualität der Einsendungen begeistert. «Es sind wirklich herausragende Arbeiten dabei», so Badoux. Trotzdem sei die Jury sich relativ schnell einig geworden.45 der 131 Werke wurden von der Jury nominiert und aus den drei Kategorien jeweils drei Gewinner gekürt. Diese werden am ersten Festival-Tag prämiert. «Wir haben jedoch in diesem Jahr noch drei zusätzliche Preise vergeben», so Andrea Leardi, Leiterin der Kommunikation des Fumetto. Die Qualität sei so hoch gewesen, die Jury habe sich kaum entscheiden können. Und zusätzlich werden nun die Besucher der Ausstellung ihr Lieblingswerk für den Publikumspreis wählen können. Doch nach welchen Kriterien beurteilt eine professionelle Jury die Werke, die mehrheitlich von Laien eingesandt wurden? «Wie bei jedem guten Comic geht es ganz allgemein darum, ob die Geschichte das erreicht, was sie erreichen will», erklärt Maiwald. Man müsse bei der Beurteilung natürlich zwischen den Kategorien unterscheiden, ergänzt Badoux. Tatsächlich gibt es hier eine enorme Spannweite. Der jüngste Teilnehmer ist sieben Jahre alt, der älteste 76.«Bei den Kindern geht es weniger um die zeichnerischen Kompetenzen, sondern vor allem um die Idee, den kreativen Ansatz», so Badoux. Das Tolle an den vielen jungen Teilnehmern sei, dass es dabei immer wieder sehr überraschende grafische oder erzählerische Ansätze gibt, so Maiwald: «Gerade weil bei den ganz Jungen frisch von der Leber drauflos gezeichnet wird.»In der zweiten Kategorie, bei den «Jugendlichen», sei das Niveau zeichnerisch und inhaltlich bereits sehr unterschiedlich. «Es ist eigentlich die schwierigste Kategorie», so Badoux. Die Kategorie der «Ausgewachsenen» bewege sich auf einer sehr professionellen Ebene. «Hier geht es bereits um Profis und auch um gestandene Amateure.»Der Wettbewerb sei auch ein Sprungbrett, eine Talentschmiede vor allem für junge Künstler, deren Entwicklung man über mehrere Wettbewerbe auch mitverfolgen könne, so Leardi. Der Wettbewerb stellt eine Plattform für Kunstschaffende aller Altersgruppen dar und bietet Comic-Künstlern die Chance, sich dem Vergleich zu stellen und einem grossen Publikum bekannt zu werden.Doch unterscheidet die Jury in ihrer Beurteilung zwischen textlicher und zeichnerischer Arbeit? «Zeichnen ist auch Sprache», sagt Badoux darauf. Er nehme Text und Zeichnung als Einheit war. «Comics können sich gar nicht dagegen wehren, Geschichten zu erzählen, es liegt in ihrer Natur», fasst Maiwald zusammen. Natürlich komme es aber auch vor, dass Geschichten eher gestalterisch überzeugen würden, als durch ausgefeilte Handlung oder inspirierenden Text. Hier müsse man dann eher zwischen «Szenario», also der Idee und Geschichte, und der zeichnerischen Kompetenz und Fertigkeit unterscheiden.Das Fumetto sei nicht ein «gewöhnliches», klassiches Comic-Festival, erklärt Badoux. «Das Fumetto hat eine künstlerische Ausrichtung. Der Markt für die kommerziellen Comics ist in der Schweiz, im Gegensatz zu Frankreich, auch einfach zu klein.»Doch wann ist Comic Kunst? «Comic ist insofern Kunst, da er kein überlebenswichtiges Element des Menschen in der Natur darstellt. Wenn wir aber von ‹großer Kunst› sprechen wollen, sind das die Comics, die künstlerische Impulse setzen, neue ästhetische Räume erschließen und als ingeniöser Ausdruck individueller Künstlerpersönlichkeiten erkennbar sind», führt Maiwald aus.(aus dem Online-Magazin „zentral+“ vom 27.3.2015)Der Preisgewinner Comic ist hier einzusehen. Viel Spass!

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