Am Eistanzhimmel lacht ein K&S Stern

14 Jahre war sie als Einzelläuferin im Eiskunstlauf aktiv, doch nun hat die Zumikerin und ehemalige K&S Schülerin Sandrine Hofstetter im Eistanz ihr Glück gefunden. Gemeinsam mit ihrem neuen Partner Jérémie Flemin holte sie im Dezember in dieser Sparte den Schweizer-Meister-Titel. «Am Anfang habe ich gar nicht richtig realisiert, dass wir gleich beim ersten Mal gewonnen haben», strahlt Sandrine Hofstetter, angesprochen auf ihren Sieg bei den Schweizer Meisterschaften in Lugano. Eiskunstlauf als Einzelläuferin habe ihr in der letzten Zeit nicht mehr richtig Freude bereitet, berichtet die Läuferin, die für den Eissport-Club Zürich-Oerlikon startet. «Vor einem Jahr habe ich gemerkt, dass es mir keinen Spass mehr macht, auch die Sprünge nicht», erinnert sie sich. Auf Nachfrage räumt sie ein, dass auch das Konkurrenzdenken im Einzellauf sehr gross gewesen sei. «Dies spürt man im Eistanz weniger», sagt Hofstetter. Bekanntlich braucht es beim Eistanz immer zwei, sodass sich Sandrine Hofstetter auf die Suche nach einem passenden Partner machen musste. Bei einem ersten Versuch einem sogenannten «Try out» mit einem englischen Eistänzer, harmonierte es nicht. Mit Jérémie Flemin stimmte die Chemie auf dem Eis jedoch. «Es war sofort ein Funke da», beschreibt Mutter Renate Hofstetter das Verhältnis der beiden. Zwar gibt es auch richtiggehende «Partnerbörsen » für Eistänzer im Internet, doch Jérémie und Sandrine haben sich über ihren gemeinsamen Trainer Benoît Richaud kennengelernt. Und was schätzt Sandrine an ihrem Eistanz- Partner? «Er ist mega ehrgeizig», lacht sie. «Dass er mich als Partnerin akzeptiert hat, ist nicht selbstverständlich », fährt sie nachdenklich fort. Doch dass der erfahrene Eistänzer Jérémie Flemin – seit elf Jahren betreibt er diesen Sport – mit Neuling Sandrine Hofstetter die richtige Wahl getroffen hat, beweist der Erfolg an den Schweizer Meisterschaften. Mittlerweile wohnt auch Flemin in Zumikon und büffelt fleissig Deutsch. Und dass nicht nur der 23-Jährige ehrgeizig ist, sondern auch seine Partnerin Ambitionen hat, zeigt ihr Ziel, an Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und vielleicht dereinst auch an den Olympischen Spielen teilzunehmen. An den Europameisterschaften vom 26. Januar bis 1. Februar in Stockholm wird allerdings nicht das Paar HofstetterFlemin, sondern Katarina Paice und Yuri Yeremenko, die Zweitplatzierten der Schweizer Meisterschaften, auf dem Eis stehen. Grund dafür ist die Tatsache, dass der Franzose Jérémie Flemin noch keine Freigabe vom französischen Eislaufverband erhalten hat. In der nächsten Saison sollte es damit aber klappen. Dass Paice und Yeremenko die Schweiz in Schweden vertreten werden, sieht Sandrine Hofstetter vor diesem Hintergrund gelassen: «Ich gönne es ihnen. Sie sind ein tolles Paar, wir trainieren zusammen.» An die Schweizer Meisterschaften denkt die junge Frau mit den warmen, braunen Augen und den langen dunklen Haaren, die wie ein seidiger Vorhang über ihre Schultern fallen, gerne zurück. «Als Neulinge waren wir keinem Druck ausgesetzt», erinnert sie sich. Nur drei Monate hatte das Paar Zeit, sein Programm einzustudieren und an den Feinheiten zu feilen. Als sie dann nach dem ersten Programm, dem sogenannten «Short Dance», einen Vorsprung gehabt hätten, habe sie unbedingt gewinnen wollen, lacht Hofstetter. Mit einem Paso Doble und einem Walzer im «Free Dance» schafften es die beiden, die Richter von sich zu überzeugen. Doppelte Freude bedeutete es für Sandrine Hofstetter, dass Eveline Brunner, die ebenfalls für den Eissport- Club Zürich-Oerlikon läuft, den Schweizer-Meister-Titel im Einzel holte. Hofstetter ist mit der Zollikerin befreundet. Eistanz als Leidenschaft Auch wenn es wunderbar leicht aussieht, wenn Sandrine Hofstetter und Jérémie Flemin gemeinsam übers Eis gleiten: Hinter dem Erfolg steckt harte Arbeit. Neben den Wettkämpfen am Wochenende trainieren die beiden vier Stunden an fünf Tagen die Woche. Nicht nur Eistanz steht dabei auf dem Programm, sondern auch etwa Ballett. Dies alles neben einer KV-Lehre bei der Credit Suisse, die Sandrine Hofstetter 2015 abschliessen will. Dass da überhaupt noch Zeit für Freizeit bleibt, erstaunt. Doch Zeit, um abzuschalten und zu regenerieren, ist der Sportlerin wichtig. Dies macht sie besonders gerne mit ihrem Freund Joel Steinauer. Bei den beiden handelt es sich im wahrsten Sinne des Wortes um ein cooles Prächen, denn er spielt bei den Kloten Flyers. «Wenn wir Zeit haben, geniessen wir diese aber lieber neben dem Eis», verrät Sandrine Hofstetter. Und ist der Eishockey-Crack gar nicht eifersüchtig, dass seine Freundin auf dem Eis mit einem anderen dermassen überzeugend das Traumpaar mimt? «Nein, überhaupt nicht», lacht sie: «Er weiss, dass dies mein Sport ist, und akzeptiert das.» Sie vom Eistanzen abzubringen, wäre wohl sowieso vergebliche Liebesmüh. «Eistanz ist meine absolute Leidenschaft », schwärmt sie mit leuchtenden Augen. Kein Wunder, denn Hofstetter steht schon seit ihrem vierten Lebensjahr auf dem Eis. Auf die Frage, ob sie besser Schlittschuh laufen als laufen könne, lacht sie herzlich: «Ja, vielleicht!» Mit dem eisigen Sport anzufangen, war alleine Sandrines Entscheidung. Als sie ihrer älteren Schwester Céline auf der KEK zuschaute, war für den kleinen Stöpsel klar: «Das will ich auch machen!» «Es hat spielerisch begonnen, das ist sehr wichtig», erinnert sie sich an ihre erste Zeit auf dem Eis. «Als an Weihnachten ihr erstes – viel zu grosses – Eiskunstlaufkleid unter dem Tannenbaum gelegen hat, hat sie es wie eine Prinzessin präsentiert», erzählt Renate Hofstetter augenzwinkernd. Sandrine ist ein Familienmensch Wie manche Kinder und Jugendliche in diesem Sport aber unter Druck gesetzt werden, sehen sowohl Mutter als auch Tochter kritisch. «Wir haben Sandrine immer gesagt, sie könne auch aufhören, wenn sie eine Krise hatte», betont die Mutter. Doch Sandrine biss sich nicht nur durch, sondern wurde immer verrückter nach dem eisigen Sport. «Sie wollte sogar die Schlittschuhe in die Skiferien mitnehmen, das haben wir ihr aber verboten », erinnert sich Renate Hofstetter, die heute darüber schmunzeln kann. Und wer ist eigentlich berühmter: Schweizer Meisterin Sandrine oder ihr Vater, der Lichtkünstler Gerry Hofstetter? «Das ist immer noch der Papi», lacht Sandrine. Doch wer weiss, wie lange das noch so bleiben wird? Besonders freut es die Tochter, wenn sie ihre Leidenschaft Eiskunstlauf mit der Kunst des Vaters verbinden kann, wie dies etwa bei der Eröffnung von «Live on Ice» in Luzern der Fall war. Nahe steht Sandrine auch ihrer Schwester Céline, die aufgrund eines Unfalls ihre eigene Eislaufkarriere beenden musste. Startet sie nun für ihre Schwester? «Ja, auch», sagt Sandrine Hofstetter und verfestigt damit den Eindruck, dass Eistanz für sie mehr als nur ein Sport ist …(Artikel erschienen am 07.01.2015 im Küsnachter; geschrieben von Philippa Schmidt)Wir drücken Sandrine weiterhin fest die Daumen!

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